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Oktolektik, die erste

Der Fensterrahmen

·219 Wörter

Von der Dialektik so einer Scheibe bleibt nicht viel, muss einer dauernd malochen und halten und stützen und spreizen. Das sollten diesen salonlinken Scheiben bitteschön mal bedenken. Machen einen auf Prinzesschen, »mich juckt es hier, mich blendet’s da, zu Hülf, ach rettet mich!«, aber zittern beim geringsten Luftzug und flögen stracks erdwärts, gäb ich dem genauso fiebrig nach, Glasaugenblick und alles.

Marxistische Philosophie hat so eine am Arsch, sonst nirgends. Dialektik heißt noch nicht, dass man zwei Arschbacken hat und mal die eine hinhält, mal die andere, aber meistens doch das Loch in der Mitte. Da sind wir ganz schnell bei meiner Gattung: der Rahmen hat acht Seiten, oben unten links und rechts und zwar mal zwei, außen nämlich und innen. Aaaaber schwätze ich deshalb schon von einer Oktolektik?

Dass wir von einem Innen reden und einem Außen, zeigt schon, wie reaktionär geeicht auch ich noch bin: ein internationaler Rahmen kennt Freund- und Gegnerinnen hüben wie drüben, und wo er steht oder hängt, ist die Achse zwischen dem Einerseits und dem Andererseits. Näher ist uns nur die Scheibe.

Aber ja: lesen kannse, die Puffscheibe. Rezepte. Beipackzettel. Social-Media-Gedönse. Und meinetwegen auch Gesichter: Ekel und Verzweiflung. Keine Ahnung, kann unsereins nicht wissen, wir Rahmen sehen nur, was wummert oder kracht. Also nur die großen Kaliber. Die aussichtslosen Fälle. Das ernüchtert, doch.

Autor
Christian A Vogl
Regensburg